MDP DEEP DIVE

Fortschrittliche Technologie, unbegrenzter Ausdruck

„Multi-Dimensional Processing“ oder kurz “MDP“ bezeichnet eine revolutionäre Technologie, die in sämtlichen BOSS-Pedalen mit dem Namenszusatz „X“ zum Einsatz kommt und weit über die Möglichkeiten herkömmlicher Effektpedale hinausgeht. In der MDP-Technologie stecken nicht nur die fortschrittlichsten digitalen Processing-Algorithmen, sondern auch mehr als 40 Jahre Erfahrung in der Entwicklung neuer musikalischer Ausdrucksmöglichkeiten. Erfahre, durch welches komplexe Zusammenspiel unterschiedlicher Faktoren der Klang einer Gitarre entsteht, und wie die MDP-Technologie mit diesen einzelnen Elementen des Klangs arbeitet, um deiner Musik eine nie dagewesene Ausdruckskraft zu verleihen. Wir versprechen dir, es wird deine Kreativität beflügeln!

Stompboxes

Ausgefeiltes Processing für einen individuellen Ton

Seit der Gründung im Jahr 1974, beschäftigt sich BOSS intensiv mit der Erforschung der Entstehung von Klängen in Musikinstrumenten, besonders der Gitarre. Zwar haben sich die Zeiten geändert und die Technik entwickelt sich weiter und weiter, am Ziel, das die Entwickler immer weiter antreibt, hat sich jedoch nichts geändert: Instrumente zu entwickeln, die den perfekten Gitarrenton erzeugen.

Was aber macht einen großartigen Klang aus? Die Antwort auf diese Frage kann von Gitarrist zu Gitarrist ganz unterschiedlich ausfallen. Grund hierfür ist, dass die Gitarre ist ein unglaublich interaktives Instrument ist, das eine nahezu unendliche Klangvielfalt ermöglicht und ganz individuell auf den jeweiligen Musiker anspricht.

Herkömmliche E-Gitarren können ein großes Spektrum an Sounds und Musikstilen abdecken, von perlenden Arpeggios, über warme Jazz-Licks, bluesige Crunch-Sounds bis hin zu heftigen Rock-Riffs und vielen mehr, 7- und 8-Saiter-Gitarren bieten sogar noch mehr Ausdrucksmöglichkeiten. Darüber hinaus erweitern akustische Stahl- und Nylonsaiten-Gitarren die Vielfalt dieses unglaublichen Instruments.

Der Gitarrentyp (Solid-Body oder Hollow-Body), das Holz aus dem der Gitarren-Korpus gefertigt ist und natürlich die Spieltechnik beeinflussen den Klang der Gitarre ebenso, wie deren Saiten und die Saitenhöhe. Bei E-Gitarren ändern Komponenten, wie der Tonabnehmer, die Kabel und natürlich der angeschlossene Verstärker den Klang des Instruments. Kombiniert man all diese Elemente mit Effektpedalen, lässt sich wohl ohne Übertreibung behaupten, dass die Gitarre das klanglich vielseitigste Instrument ist.

Die drei wichtigsten Elemente des Gitarrensounds

Wie du vielleicht in der Schule gelernt hast, setzt sich ein Klang aus drei wesentlichen Elementen zusammen (siehe Abbildung 1)::
Schauen wir uns diese drei Elemente anhand der Gitarre genauer an:

Tonhöhe

Die Tonhöhe einer Gitarre ändert sich, je nachdem welche Saiten gespielt werden und wo die Finger auf dem Griffbrett positioniert sind. Verfügt die Gitarre über ein Vibrato-System (auch als Tremolo-System bekannt), kann der Vibrato-Hebel ebenfalls die Tonhöhe beeinflussen.

Lautstärke (Pegel)

Die Lautstärke bzw. der Pegel eines Gitarrentons, wird von der Anschlagdynamik sowie von der Einstellung des Volume-Reglers beeinflusst. Aber auch andere Faktoren nehmen Einfluss auf die Lautstärke, wie zum Beispiel die Ausgangsleistung und Höhe der Tonabnehmen oder die Saitenstärke.

Klangfarbe (Zusammensetzung der Obertöne)

Beinahe sämtliche Bestandteile und Faktoren einer Gitarre beeinflussen deren Klangfarbe: Marke und Typ, Materialien, Lackierung, Art und Position der Tonabnehmer, Bedienung der Ton- und Lautstärke-Regler, Anschlagstärke der Saiten und viele weitere. Im Zusammenspiel mit externen Effekten, wie Verzerrern, verstärkt sich der Einfluss dieser Elemente.

Wie bei jedem Ton, spielt auch bei der Gitarre die Zeit eine wichtige Rolle: Nach dem Zupfen einer Saite verändern sich die Tonhöhe, Lautstärke und Klangfarbe konstant, während die Schwingung abnimmt. Dieser komplexe Vorgang nimmt exponentiell zu, sobald mehrere Saiten gleichzeitig schwingen.

Figure 1
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Weitere Elemente die den Ausdruck beeinflussen

TNeben den drei bisher genannten Klangelementen, gibt es viele weitere Faktoren, die den Klang einer Gitarre beeinflussen, wie das Material des Plektrums, das Spielen mit einem Plektrum oder den Fingern, das Spielen derselben Note auf unterschiedlichen Saiten und vieles mehr. All diese Elemente interagieren beim Spielen und und erzeugen den sich permanent entwickelnden Dynamikverlauf der Gitarre, wie in Abbildung 2 zu sehen ist.

Ein weiterer wichtiger Faktor ist, dass sich die Obertonstruktur hoher und tiefer Töne grundlegend unterscheidet. Beim Ausklingen deines Tons, ändern sich dessen Lautstärke und Klangfarbe kontinuierlich. So haben zum Beispiel beim Spiel mit einem Verzerrer-Pedal die Anschlagstärke und das Nachregeln der Lautstärke über den Volume-Regler deutlich mehr Einfluss auf die Klangfarbe, als die eingestellte Gesamtlautstärke.

Diese Variation der Obertöne wird auch als „Artikulation“ bezeichnet und spielt eine entscheidende Rolle hinsichtlich des musikalischen Ausdrucks. Einfach gesagt ist das Spielgefühl wichtiger für den musikalischen Ausdruck als die Lautstärke.

Gut verständlich wird dies am Beispiel eines Schlagzeug-Beckens: Wird das Becken hart angeschlagen, wird der Klang immer als hart wahrgenommen, auch wenn wir die Lautstärke senken. Den Klang eines sanft angeschlagenen Beckens hingegen, nehmen wir auch dann nicht als hart wahr, wenn wir die Lautstärke erhöhen.

Figure 2
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Optimale Berechnung für jedes Klangelement

In der Welt der Gitarre bezeichnet ein „großartiger Ton“ also das äußerst komplexe Zusammenspiel zahlreicher Elemente, die beim Hörer ein positives Empfinden hervorrufen. Herkömmliche Technologie bietet immer nur einen Processing-Ansatz, der für alle Elemente gleich funktioniert. In vielen Anwendungen funktioniert dieses Konzept und führt zu großartigen Ergebnissen. Für den Fall jedoch, dass die einzelnen Klangelemente permanent variieren, beschneidet die bekannte Technologie die Ausdrucksgrenzen und limitiert deine Möglichkeiten.

Ein Beispiel: Du wählst einen Verzerrungseffekt mit einem straffen, gleichmäßigen Ton, der sich ideal für mit der Handfläche abgestoppte Heavy-Riffs auf den tiefen Saiten eignet. Wechselst du jedoch für Single-Note Lead-Licks auf die höheren Saiten, wird der Sound dünn und steril. Der Effekt unterstützt also den Sound bei einem bestimmten Spielstil, beeinträchtigt jedoch die Flexibilität deines musikalischen Ausdrucks. Bisher war die Lösung nach einer Einstellung zu suchen, die für beide beziehungsweise mehrere Spielarten funktioniert, was jedoch immer eines klanglichen Kompromisses bedarf, der für keine Spielart mehr optimal ist.

Und genau hier setzt der leistungsfähige MDP-Ansatz an. Ein Verzerrungseffekt auf Basis der MDP-Technologie analysiert sowohl den Pegel und die Obertonstruktur, als auch den Frequenzgang – der abhängig von der Anschlagdynamik, dem Tonumfang, der Saitenstärke, geschliffenen oder ungeschliffenen Saiten, etc. variiert – und passt alle Elemente kontinuierlich an, um stets den besten Effektklang zu erzeugen. Dies bietet dir jederzeit eine vollständig optimierte Verzerrung, unabhängig von deinem Spielstil und Tonumfang.

Die Illustration in Abbildung 3 zeigt, wie die MDP-Verzerrungstechnologie funktioniert. Konventionelle Verzerrer werden auf einen deutlichen „Sweet Spot“ im Frequenzbereich optimiert, was dazu führt, dass zahlreiche Obertöne des Originalsignals verloren gehen. MDP erkennt sämtliche Klanginformationen und gibt diese wieder, so dass die reiche und komplexe Struktur der Obertöne vollständig erhalten bleibt. So wird nicht nur dein ausdrucksstarker Gitarrenton erhalten, auch die Transparenz der Verzerrung erhöht sich um ein Vielfaches.

Die MDP-Technologie eignet sich jedoch nicht nur für Verzerrungseffekte, sondern liefert in sämtlichen Effektbearbeitungen herausragende Ergebnisse, insbesondere auch bei Kompressoren. Abbildung 4 verdeutlicht die immensen Verbesserungen der Kompression durch den Einsatz von MDP. Zu sehen sind sowohl der Grundton, als auch der Verlauf der harmonischen Obertöne eines Eingangssignals nach dem Saitenanschlag. Da die komplexe Obertonstruktur im Moment des Anschlags deutlich mehr Pegel erzeugt, komprimiert ein konventioneller Kompressor beide Signalanteile – Grundton und Obertöne – gleich stark. Der MDP-Kompressor komprimiert lediglich die Obertöne und erhält damit das Grundton-Fundament. Das Ergebnis ist eine optimale Kompression, die den Grundcharakter deines Klangs erhält und damit einen natürlichen, ungefärbten und lebendigen Ton ermöglicht.

Figure 3
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Die Suche nach größerem musikalischen Ausdruck

Wie bereits erwähnt, ist die Artikulation auf Basis einer vielfältigen Obertonstruktur der Schlüssel zur musikalischen Ausdruckskraft deines Gitarren-Sounds. Abbildung 5 vergleicht die Obertöne einer herkömmlichen Kompression mit der MDP-Kompression in Abhängigkeit zur Anschlagstärke:

Bei der herkömmlichen Kompression gehen bei weichem Anschlag stets einige Obertöne verloren. Gleichzeitig fügt die Verzerrung deinem Signal bei ansteigender Anschlagstärke Obertöne höherer Ordnung hinzu, die mit ihren Resonanzen den Klang trüben. Dank der MDP-Technologie bleiben auch bei sanfterem Anschlag sämtliche Obertöne erhalten, während bei härterem Spiel die Kompression nicht in das Klangbild eingreift und somit sowohl das wuchtige Bass-Fundament wie auch die klaren, hohen Obertöne erhält. Ganz gleich, welchen Stil und Gitarrentyp du bevorzugst, mit MDP bleibt jede einzigartige musikalische Nuance deines Spiels erhalten.

Wie bereits erläutert, verwendet die MDP-Technologie ein fortschrittliches Verfahren, durch welches das Eingangssignal unmittelbar in seine einzelnen Bestandteile aufschlüsselt wird, um anschließend gleichzeitig jedes dieser Elemente individuell zu beeinflussen. So passt MDP alle Elemente kontinuierlich an die komplexen Signalveränderungen an, anstatt sie nur einmalig für einen einfachen, statischen Snapshot des Klangs zu optimieren.

Figure 5
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Bei der Entwicklung eines jeden Produkts in dem MDP zum Einsatz kommt, arbeiten wir mit Top-Gitarristen auf der ganzen Welt zusammen, um die Technologie perfekt auf die entsprechende Effektbearbeitung anzupassen. Unzählige aktuelle Spielarten wurden analysiert, um mittels MDP natürliche, musikalische Effektreaktionen zu erhalten, die vom Anwender intuitiv über die Fußschalter des jeweiligen Effekts zugeschaltet werden können. Trotz der bewusst einfach gehaltenen Kontrolloberfläche, arbeitet im Gerät eine äußerst komplexe Technologie, die zahlreiche Parameter perfekt aufeinander abstimmt, und so den perfekten Sound erzeugt.

Abbildung 6 vergleicht, wie sich die internen Parameter bei einem herkömmlichen Verzerrungspedal verhalten und wie bei einem MDP-Verzerrer. Auf der linken Seite siehst du, wie gering und schlicht der Drive-Regler bei einem Standard-Verzerrer reagiert. Im Gegensatz dazu wird auf der rechten Abbildung deutlich, welche komplexen Prozesse in einem MDP-Pedal ablaufen, während der Regler gedreht wird: Abhängig vom Stand des Drive-Reglers reagieren diverse interagierende Parameter in jeweils unterschiedlicher Stärke und Weise in Abhängigkeit der vorangehenden Analyse des Eingangssignals.

Figure 6
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Figure 7
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Dank des intelligenten Konzepts, bietet die MDP-Technologie eine Komplexizität, die mit herkömmlichen Effektpedalen schlichtweg nicht erreicht werden kann. Doch alle technischen Parameter wären wertlos, wenn das klangliche Ergebnis nicht musikalisch, natürlich und inspirierend wäre. So ist die Intelligenz der MDP-Technologie nicht nur das Resultat leistungsfähiger DSP-Chips und fortschrittlichster Algorithmen, es ist die enorme Erfahrung, das Wissen und die Leidenschaft der BOSS-Ingenieure und der Einfluss von Top-Gitarristen. Diese leistungsfähige Fusion aus Technologie, Handwerkskunst und Know-how macht MDP so besonders und bietet dir neue Ausdrucksmöglichkeiten für deinen individuellen Gitarren-Sound, wie nie zuvor.