Alles, was du über Gitarrenverstärker wissen musst – und dich nicht zu fragen traust

KATANA Amp

Von Leistungsausgängen bis zu den integrierten Funktionen – dieser Quickstart-Guide vermittelt dir das Basis-Wissen, um mit Selbstbewusstsein einen Gitarrenverstäker auswählen zu können. Lies weiter.

by Henry Yates
 
17 mins read

Für Einsteiger muss der Gitarrenverstärker-Markt wie ein undurchdringliches Gewirr aus Reglern, Anschlüssen, Eingängen und schaltbaren Kanälen erscheinen. Leicht lässt man sich von Funktionen täuschen, die nach Raketenwissenschaft klingen, sowie von Verkäufern verwirren, die technische Eigenschaften wie eine Maschine herunterrattern. Die Wahrheit lautet jedoch: sobald du den ganzen Fachjargon beiseite lässt und dich auf die grundlegenden Aspekte beschränkst, werfen dich Gitarrenverstärker nicht aus der Bahn (es sei denn, du drehst sie voll auf...).

Welche Arten von Gitarrenverstärkern gibt es?

Als Gitarrist bildet der Verstärker das Zentrum deines Rigs. Natürlich haben auch das Holz, die Saiten und die Tonabnehmer einen großen Einfluss auf deinen Sound. Doch erst innerhalb dieses Kastens entsteht die egentliche Magie. Hier wird der unverstärkte "Twang" einer angeschlagenen Saite zu einem Thrash-Metal-Kreischen, einem cremigen Blues-Röhren und vielem mehr.

Wenn du das erste Mal ein Musikgeschäft betrittst, wirst du wahrscheinlich Probleme haben, die Unterschiede zwischen den ausgestellten Gitarrenverstärkern zu erkennen. Je mehr du dich mit der Materie beschäftigst, desto stärker wird dir bewusst, dass es nicht nur große technische Unterschiede gibt, sondern auch hinsichtlich der Pros und Contras für dich als Musiker. Im Folgenden erklären wir dir die wichtigsten Verstärkertypen.


KATANA Amp

Combos, Heads, and Cabinets  

Du möchtest einen Gitarrenverstärker kaufen? Dann lautet die erste große Entscheidung: Combo, Head oder Cabinet? Combos sind am häufigsten anzutreffen: diese All-In-One-Kisten vereinen die Mechanik, Lautsprecher und Regler in einem Gehäuse und du findest sie in jedem Probenraum. Verstärker-Heads werden in der Regel von erfahreneren Gitarristen bevorzugt, die mehr Lautstärke benötigen. Die rechteckigen Heads beinhaltet die Elektronik, jedoch keinen Lautsprecher, so dass du einen Head immer mit einem Cabinet kombinieren musst, um einen Sound zu hören. Viele Verstärker-Serien – wie die Nextone und Katana-Verstärker – enthalten Combos, Heads und Cabinets, um für jedes Budget und jede Anforderung das passende Modell anzubieten.


KATANA Amps

Röhrenverstärker

Röhrenverstärker gibt es seit den 1930er Jahren. In den 60ern setzten vor allem die Gitarristen-Götter des Rock auf diese Verstärker, die auch heute noch fester Bestandteil von Studios und Bühnenrigs sind. In einem Röhrenverstärker wird das Gitarrensignal von Vakuumröhren verstärkt und klanglich beeinflusst. Der entstehende Sound hat einen unverkennbaren Charakter, der von Röhren-Liebhabern als warm, voll, lebendig und angenehm rau beschrieben wird, je mehr du die Lautstärke aufdrehst. Röhrenverstärker bieten einen einzigartigen Vintage-Sound, doch sie sind oft teuer, schwer und fehleranfällig im Einsatz on the road. Darüber hinaus müssen die Röhren in regelmäßigen Abständen ausgetauscht werden, da insbesondere ältere Exemplare oft bis zum Anschlag aufgedreht werden müssen, um den begehrten übersteuerten Sweet Spot zu erreichen.

Transistorverstärker

Transistorverstärker verwenden Platinen anstelle von Vakuumröhren. Mit wenigen Ausnahmen – etwa der legendären Roland Jazz Chorus Reihe – umweht Transistorverstärker nicht der Mythos ihrer Röhrenkollegen, doch sie bieten Gitarristen aller Klassen zahlreiche Vorteile. Generell lässt sich festhalten: Transistorverstärker gibt es in jeder Preisklasse, sie sind leichter und praktischer im Live-Einsatz als ihre Röhrenpendants, und es wird dich überraschen, welchen Charakter Transistorverstärker im Zuge technologischer Meilensteine heute besitzen. Wenn Transistorverstärker die bevorzugte Wahl von Gitarrenlegenden wie Dimebag Darrell von Pantera oder Jonny Greenwood von Radiohead sind, könnten sie auch für dich in Frage kommen.


JC-120

Modelling-Verstärker

Wenn du in mehreren Bands spielst und immer wieder etwas neues ausprobierst, brauchst du eine Vielzahl unterschiedlicher Verstärkersounds. Das Problem ist: selbst wenn du dir jeden legendären Verstärker aus der Geschichte der Rockmusik leisten könntest, bräuchtest du schon einen Flugzeug-Hangar, um sie alle unterzubringen. Willkommen in der Welt der Modelling-Verstärker. Dieser All-In-One-Verstärker setzen auf moderne Digitaltechnik, um den Klangcharakter und das Verhalten diverser Verstärker zu reproduzieren. Ein Dreh am Modell-Wahlregler genügt und schon steht dir die ganze Bandbreite zur Verfügung – vom Museumsstück aus den 60er Jahren bis zum modernen Metal-Monster. Die Wahl eines hochwertigen Modelling-Verstärkers ist ein effektiver Weg, um alle benötigten Sounds zu erhalten, ohne dein Budget zu sprengen – nicht zuletzt, da die führenden Modelle ebenfalls Modellings berühmter Effektpedale enthalten.

Hybrid-Verstärker

Falls du dich nicht zwischen einem Röhren- und Transistorverstärker entscheiden kannst, ist ein Hybrid-Verstärker möglicherweise der ideale Kompromiss. Hybrid-Verstärker stehen mit je einem Bein in beiden Technologien und bieten das Beste beider Welten: der organische Sound echter Röhren und die praktischen Vorteile der Transistor-Technik. Leider bieten nicht alle Hersteller Hybrid-Verstärker an, so dass die Auswahl begrenzt ist.

Akustikverstärker

Während E-Gitarrenverstärker das Instrumentensignal "färben", gilt für Akustikverstärker das gegensätzliche Ziel: der akustische Klang der Gitarre soll möglichst sauber verstärkt werden, so dass sämtliche Nuancen der Tonhölzer inklusive der Resonanz unverändert wiedergegeben werden. Deshalb müssen Akustikverstärker noch lange nicht langweilig sein: wenn du dich für ein Modell wie den Roland AC-33 oder den BOSS ACS Acoustic Singer Live entscheidest, profitierst du von zahlreichen Funktionen – von integrierten Effekten bis zur Anti-Feedback-Steuerung, um nervige Rückkopplungen zu unterbinden.


Acoustic Singer Live

Wie funktioniert ein Gitarrenverstärker?

Wer im Detail wissen möchte, was unter der Haube eines Gitarrenverstärkers passiert, sollte einen Blick in diesen ausführlichen Leitfaden werfen. Das Grundprinzip ist jedoch nicht allzu kompliziert und sollte niemanden abschrecken. Im Wesentlichen besteht ein "klassischer" Gitarrenverstärker aus drei Bereichen. Nachdem dein Gitarrensignal den Verstärker über ein Kabel erreicht, trifft er auf den Vorverstärker, dessen Schaltung den Sound formt (über die Klangregelung auf der Bedienoberfläche des Verstärkers kannst du hier bereits Anpassungen vornehmen).

Als nächstes gelangt das aufbereitete Signal in die Endstufe. Hier erfährt das Signal einen zusätzlichen Schub auf Basis einer höheren Spannung. Abschließend wird das verstärkte Signal auf den Lautsprecher gegeben, welcher die elektrische Energie in Schallwellen bzw. Sound umwandelt, der dein Publikum in den vorderen Reihen aus den Schuhen kippen lässt.

Was sind die zentralen Funktionen eines Gitarrenverstärkers?

Kein Verstärker gleicht dem anderen. Trotzdem gibt es Kernfunktionen, die ein Verstärker bieten sollte, um dich zu überzeugen. Im Bereich der Regler und Einstellungen dürfte Volume selbsterklärend sein: je weiter du diesen Regler aufdrehst, desto lauter wird es. Falls der Verstärker parallel über einen Gain-Regler verfügt, kannst du durch die Kombination aus Gain und Volume verzerrte Sounds erzeugen, ohne gleich das ganze Haus abzureißen – äußerst praktisch zum Üben.

EQ ist die Abkürzung für "Equalizer" und umfasst meist mehrere Regler, mit denen du deinen Sound formen kannst, um ihn professioneller klingen zu lassen. Normalerweise steht dir je ein Regler für die Höhen, Mitten und den Bass zur Verfügung. Experimentiere mit diesen herum, um den Sound wahlweise fetter und raumfüllender oder bissiger zu machen, um dich im Zusammenspiel mit anderen Musikern besser im Gesamtmix durchzusetzen.

Ganz egal, welches Budget dir zur Verfügung steht: ein Kopfhörer-Ausgang ist ein Muss. Diesen findest du in der Regel auf der Rückseite des Verstärkers. Vor allem spätabends wird er dein bester Freund werden. Falls es zudem noch einen AUX-Anschluss gibt – umso besser. Über diesen kannst du ein Smartphone oder einen MP3-Player anschließen und zu Backingtracks jammen, um deine Übungseinheiten noch abwechslungsreicher zu gestalten.


KATANA-100 FX

Welche weiteren Funktionen bieten fortgeschrittene Gitarrenverstärker?

Moderne Gitarrenverstärker können weitaus mehr als nur eine Gitarre zu verstärken. Falls du innerhalb eines Song zwischen Clean- und verzerrtem Sound wechseln möchtest, wirst du die Vorzüge eines zweikanaligen Verstärkers zu schätzen wissen. Auf diese Weise kannst du beispielsweise einen sonnigen Clean-Sound auf Kanal einstellen und einen dreckigen Crunch auf Kanal 2 und die Sounds zwischen Strophe und Refrain wechseln. Richtig komfortabel wird es, wenn dein Verstärker mit einem Fußschalter kompatibel ist, über den du die Kanäle wechseln kannst – zum Beispiel die BOSS Katana-Serie mit dem GA-FC.

Auf Dauer kann es ganz schön eintönig werden, jedes Riff mit dem selben Sound zu spielen. Hier kommen die Effekte ins Spiel. Viele Verstärker bieten einen Effekt-Loop, über den du externe Pedale wie die berühmten BOSS Fußpedale an der optimalen Stelle innerhalb der Signalkette integrieren kannst. Neben Modelling-Verstärkern verfügen selbst die meisten Verstärker der Mittel- und Oberklasse über integrierte Effekte. Am weitesten verbreitet ist der Reverb. Viele Verstärker gehen jedoch einen Schritt weiter, darunter die legendäre JC-Serie mit ihrem einhüllenden Chorus oder die Katana-Reihe, die Zugang zu mehr als 65 BOSS-Effekten bietet. Falls du deinen eigenen Signature-Sound formen möchtest, kann es hilfreich sein, wenn dein Verstärker über eine Store/Recall-Funktion verfügt, um einzelne Sounds zu speichern und auf Knopfdruck abzurufen.

KATANA-100 Power


Neben kreativen Möglichkeiten solltest du bei der Verstärkerwahl auch auf die stärker praxisbezogenen Funktionen achten. Ein Line Out ist unverzichtbar, wenn deine Gigs langsam größer werden. Über diesen Ausgang kannst du deine Gitarre mit einem PA-System verbinden, um einen gleichmäßigen Sound im ganzen Raum zu erhalten. Für Musiker, die viel unterwegs sind, kann ein integriertes Stimmgerät nützlich sein. Weiterhin lassen sich viele BOSS und Roland Verstärker mit Live-Fokus – zum Beispiel der CUBE Street EX – wahlweise über ein Netzteil oder über Batterien betreiben. Wer noch mehr Freiheit zu schätzen weiß, sollte in einen kabellosen Verstärker wie den Katana-Air investieren oder nach Bluetooth-Funktionalität Ausschau halten, mit der du überall und jederzeit auf Online-Inhalte zugreifen kannst.

Ein voll aufgedrehter Verstärker hat eine ganz besondere Wirkung, doch er sollte auch in Schlafzimmer-Lautstärke einen hochwertigen Sound liefern. Halte Ausschau nach einer Power Control. Die Katana-Serie und weitere BOSS Verstärker haben dieses Feature bereits integriert, um auch bei niedriger Lautstärke den Sound und die Ansprache eines voll aufgedrehten Verstärker zu genießen, ohne deine Mitmenschen zu stören.

Denke immer daran: Bei der Bewertung eines Gitarrenverstärkers geht es nicht nur um den Einsatz in Live-Performances. Falls dein Verstärker einen USB-Ausgang bietet, kannst du über diesen mixbereite Verstärkersounds direkt in deine bevorzugte DAW-Software auf deinem Computer schicken und professionelle Aufnahmen erzeugen, ohne für ein teures Studio zu bezahlen.

Eignen sich Gitarrenverstärker für Vocals und andere Instrumente?

Bei der Kombination von Instrumenten und Verstärkern solltest du bestimmte Regeln beachten. Es ergibt wenig Sinn, einen Bass über einen Gitarrenverstärker laufen zu lassen, da dieser nicht auf die fokussierte Verstärkung tiefer Frequenzen ausgelegt ist. Weiterhin kannst du zwar eine akustische Gitarre an einen E-Gitarrenverstärker anschließen, doch das Ergebnis wird dumpf klingen und niemanden überzeugen.

Das heißt jedoch nicht, dass du für jedes Bandmitglied einen eigenen Verstärker kaufen musst. Indem du dich für einen besonders vielseitigen Verstärker entscheidest, der speziell für mehrere Instrumente ausgelegt ist, kannst du gleichzeitig Gitarre, Stimme, Keyboard und mehr darüber verstärken. Der Roland CUBE Street EX bietet zum Beispiel vier unabhängige Kanäle zum Anschluss von Mikrofonen, Gitarren, Keyboards und Audiogeräten, die du über den integrierten Mixer regeln kannst, um auch als Straßenmusiker-Combo einen tollen Gesamtsound zu haben.

Selbst wenn du noch keine Bandkollegen hast – auch für Solomusiker gibt es keine Grenzen. Wähle einfach einen Gitarrenverstärker wie den Roland AC-33 oder den BOSS ACS Acoustic Singer Pro und entdecke die Möglichkeiten des integrierten Loopers: berühmt geworden durch Künstler wie Ed Sheeran und KT Tunstall, kannst du auch als Solomusiker multiple Gitarrenparts übereinanderlegen und komplexe symphonische Gebilde erschaffen.

Welcher Gitarrenverstärker passt zu mir?

Da draußen gibt es unzählige Gitarrenverstärker zur Auswahl. Sich für einen zu entscheiden, kann dich vor ungeahnte Herausforderungen stellen. Bevor du direkt eine Liste mit Favoriten anlegst oder auch nur daran denkst, das Portemonnaie zu zücken, solltest du dir diese fünf Fragen stellen:

Wo kommt der Verstärker zum Einsatz?

Wenn du einfach nur Zuhause oder Backstage sitzen und ein paar Licks lernen möchtest, ergibt ein guter Übungsverstärker definitiv mehr Sinn als ein Stack. Falls du überwiegend auf der Bühne stehst, achte auf Funktionen, die dich live unterstützen – angefangen bei einem Line Out bis zu Kanälen, die du über einen Fußschalter wechseln kannst. Wenn du Songs aufnehmen möchtest, brauchst du einen Verstärker mit USB-Anschluss, um alles schnell und einfach auf einem Computer festzuhalten.


KATANA Amp

Wie hoch ist dein Budget?

Ein begrenztes Budget kann frustrierend sein, doch es hilft dir auch, dich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Bei Gitarrenverstärkern gibt es nach oben keine Grenzen (ein Vintage-Röhrenverstärker aus einem besonderen Produktionsjahr wechselt unter Sammlern schnell für mehrere tausend Euro den Besitzer), doch du wirst erstaunt sein, welche Qualität bereits die Einsteigerklasse bietet. Der Roland CUBE-10GX beispielsweise passt selbst in das kleinste Budget, bietet dafür jedoch jede Menge Profi-Funktionen.

Wie laut soll es sein?

Die goldene Regel lautet: Watt bezieht sich auf die Leistung und sagt nur begrenzt etwas über die Lautstärke aus. Ein Verstärker mit hoher Wattleistung ist nicht im gleichen Maße lauter wie ein Niedrigwatt-Verstärker. Ein 100-Watt-Verstärker ist normalerweise nur doppelt so laut wie ein 10-Watt-Modell, obwohl dieser zehn Mal mehr Leistung bietet. Als Faustformel gilt: 5 Watt reichen aus, um zuhause zu spielen. Mit 50 Watt kannst einem Schlagzeuger Paroli bieten. Bedenke zudem, dass mehr Lautstärke nicht zwangsläufig mehr Gain bedeutet: ein Verstärker mit weniger Wattleistung und einer Gainschaltung könnte daher die bessere Wahl sein als ein Watt-Biest, dass du immer weit aufdrehen musst, um den gewünschten Sound zu erhalten.


KATANA Amp Rehearsal

Welche Musik wirst du spielen?

Vielleicht bist du ein Old-School-Bluesman, der am liebsten Pentatoniken spielt. Vielleicht bist du auch ein Punk, der bevorzugt Powerchords drischt. Deine Persönlichkeit als Musiker weist dir den Weg. Falls du noch nicht genau weißt, wo die Reise hingeht, wähle einen Verstärker mit breiter Soundpalette, die dich auf jedem Weg begleitet.

Welcher Sound gefällt dir?

Dies ist wahrscheinlich die entscheidende Frage. Denke an Gitarristen, bei denen du eine Gänsehaut bekommst und finde heraus, welche Verstärker sie spielen. Schon hast du einen guten Ausgangspunkt. Das Wichtigste ist, einen Verstärker zu finden, dessen Sound dir gefällt, der dich zum Spielen animiert und dich fortwährend inspiriert.